Rehkitze im Gras, junge Feldhasen im Feld oder scheinbar verlassene Jungvögel am Boden lösen bei vielen Menschen den Wunsch zu helfen aus. Doch genau diese gut gemeinte Hilfe wird für Wildtiere oft zur Gefahr.
Die wichtigste Botschaft lautet daher: Beobachten statt eingreifen.
Junge Wildtiere sind meist nicht verlassen. Ihr Verhalten folgt einem natürlichen Schutzmechanismus, der über Generationen entstanden ist. Menschen sollten deshalb Abstand halten und Tiere keinesfalls berühren oder mitnehmen. Nur offensichtlich verletzte Tiere brauchen Hilfe.
Rehkitze: Allein aus gutem Grund
Frisch gesetzte Rehkitze bleiben regungslos im hohen Gras liegen, während die Mutter auf Nahrungssuche ist. Ihr gepunktetes Fell tarnt sie perfekt, außerdem sind sie nahezu geruchlos. Die Ricke kehrt regelmäßig zurück, um ihr Junges zu säugen. Wird das Kitz gestört oder gar mitgenommen, sinken seine Überlebenschancen drastisch.
Feldhasen: Schutz durch Unsichtbarkeit
Auch junge Feldhasen werden von ihrer Mutter bewusst allein abgelegt. Die Häsin besucht ihre Jungen nur wenige Male täglich zum Säugen, um keine Feinde anzulocken. Spaziergänger oder freilaufende Hunde können diese natürliche Strategie ungewollt zerstören. Besonders problematisch: Hasenjunge vertragen keine Ersatznahrung – menschliche Aufzucht endet meist tödlich.
Jungvögel: Nicht jeder Vogel am Boden braucht Hilfe
Viele junge Singvögel oder Waldkäuze verlassen das Nest bereits, bevor sie richtig fliegen können. Diese sogenannten „Ästlinge“ werden weiterhin von ihren Eltern versorgt. Wer sie einsammelt, trennt sie oft unnötig von ihren Eltern.
Natur braucht Rücksicht
Wildtiere haben gute Gründe, sich so zu verhalten, wie sie es tun. Wer in der Natur unterwegs ist, sollte deshalb Wege nicht verlassen, Hunde anleinen und Tiere nur aus der Distanz beobachten.
Denn meistens gilt: Nicht eingreifen ist die beste Hilfe.
Nur wenn ein Tier offensichtlich verletzt ist, sollte fachkundige Hilfe verständigt werden.
Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau: „Bitte Hände weg von jungen Wildtieren – auch wenn sie hilflos wirken. Die Natur schützt diese Tiere besser, als wir oft glauben. Muttertiere wissen genau, wo und warum sie ihre Jungen ablegen und kehren regelmäßig zurück. Wer Jungtiere mitnimmt, verursacht großes Tierleid – beim Jungtier und auch beim Muttertier.
