Turnaueralm, 06.07.2026
Die Wildgemeinschaft Hohe Veitsch lud am 6. Juli 2026 zur mittlerweile 29. Abwurfstangenschau auf die Turnaueralm.
Ausgerichtet wurde die diesjährige Veranstaltung vom Forstgut Spaeter Yagüe Bosch beim Jagdhaus auf der Turnaueralm.
Zahlreiche Mitglieder, Gäste und Vertreter der Jägerschaft, Land- und Forstwirtschaft nutzten die traditionelle Zusammenkunft,
um die Entwicklung der Rotwildpopulation im Verbreitungsgebiet rund um die Hohe Veitsch zu begutachten und sich über aktuelle jagdliche Fragestellungen auszutauschen.
Auf der Schau lagen die Abwurfstangen von 32 Hirschen der Klasse I sowie 71 Hirschen der Klasse II auf.
Damit wurde einmal mehr sichtbar, welche langfristige Wirkung konsequente,
revierübergreifende Rotwildbewirtschaftung, abgestimmte Abschussplanung und der beharrliche Einsatz der Mitgliedsbetriebe entfalten können.
Die Wildgemeinschaft steht seit ihrer Gründung für das Ziel, eine strukturgerechte Rotwildpopulation mit alten Hirschen zu erhalten,
Wildschäden hintanzuhalten und die Interessen von Wald, Wild, Jagd und Grundeigentum in einem tragfähigen Verhältnis zu halten.
Obmann BJM Ofö. Ing. Hannes Fraiß begrüßte die Anwesenden und stellte in seinen Eröffnungsworten die Rolle und die Werte der Jagd sowie die Verantwortung für den Lebensraum in den Mittelpunkt. Jagd sei weit mehr als die sichtbaren Erfolge: Sie bedeute Verantwortung für Wild, Kulturlandschaft, Jagdkultur und für jene Lebensräume, die unsere steirische Heimat prägen.
Gerade in einer Zeit, in der Waldumbau, Freizeitnutzung, große Beutegreifer, Wildtiermonitoring und jagdrechtliche Rahmenbedingungen intensiv diskutiert werden, müsse man sich auf das Wesentliche besinnen: auf fachlich fundierte Bewirtschaftung, auf Verantwortung vor Ort und auf den gelebten, praxisgerechten Ausgleich zwischen Forst und Jagd.
Besonders hob Fraiß die Rolle der Grundeigentümer, Forst- und Jagdgüter sowie der Fütterungsbetreiber hervor. Sie seien jene, die tagtäglich mit den tatsächlichen Verhältnissen in den Revieren arbeiten, Verantwortung übernehmen, Lebensräume erhalten und die Folgen jagdlicher Entscheidungen unmittelbar tragen. „Wir brauchen Vertrauen in jene, die vor Ort wirtschaften und gestalten.
Entscheidungen über jagdliche Bewirtschaftung dürfen nicht an den Lebensrealitäten der Grundeigentümer und Betriebe vorbeigehen“, so Fraiß.
Es gehe nicht darum, Jagd nur nach außen zu rechtfertigen, sondern darum, tragfähige Lebensräume zu erhalten,
brauchbare Fakten zu schaffen und jagdliche Verantwortung wieder stärker aus der Region heraus zu denken.
Zentraler Erfolgsfaktor der Wildgemeinschaft sei und bleibe der Zusammenhalt. Man sei nicht immer in allen Punkten einer Meinung, aber man komme zusammen, zeige und bewerte die Ergebnisse gemeinsam, tausche Erfahrungen aus, diskutiere offen und suche tragfähige, praxisgerechte Lösungen.
Die gemeinsame Abwurfstangenschau ebenso wie die gemeinsame Abschussplanung seien dafür jedes Jahr sichtbarer Gradmesser und Erfolgsnachweis.
LJM-Stv. DDr. Burkhard Thierrichter unterstrich in seinen Grußworten, dass Wald und Wild nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften.
Auch unter den Anforderungen des klimafitten Waldumbaus müsse die Jagd als zentrale Aufgabe der Lebensraumbewirtschaftung verstanden werden.
Fachliche Lösungen bräuchten Praxisnähe, Maß und Hausverstand; sie dürften nicht in überbordendem Bürokratismus verschwinden.
Das Wort des Grundeigentümers und der vor Ort Verantwortlichen müsse Gewicht haben.
Der Hausherr, Forstgutverwalter Ofö. Ing. Gernot Freimann, begrüßte die Gäste im Namen der Eigentümerfamilie des Forstguts Spaeter Yagüe Bosch herzlich auf der Turnaueralm und gab einen interessanten Einblick in das Forstgut, die Jagd und die Rotwildbewirtschaftung.
Das Forstgut Spaeter sorgte für die hervorragende Ausrichtung der Veranstaltung, die Bewirtung und den passenden Rahmen für Austausch und geselliges Beisammensein.
Auch BJM Anton Karlon, in dessen Jagdbezirk die diesjährige Abwurfstangenschau stattfand und der selbst Mitglied der Wildgemeinschaft ist, richtete Grußworte an die Anwesenden.
Er betonte den Wert der Zusammenarbeit und zeigte sich stolz auf das, was durch das gemeinsame Bemühen der Betriebe über Bezirks- und Reviergrenzen hinweg erreicht werden kann.
Kammerrat Martin Spreitzhofer überbrachte seitens der Kammer für Land- und Forstwirtschaft die Grüße des Bezirkskammerobmanns und würdigte die Arbeit der Wildgemeinschaft.
Die aufgelegten Abwurfstangen zeigten eindrucksvoll, wie viel Aufwand, Beobachtung und Bewirtschaftungsarbeit hinter einer solchen Entwicklung seit den Anfängen der Wildgemeinschaft stehen.
Im Spannungsfeld zwischen klimafittem Wald, tragbaren Wildständen, gesellschaftlichen Erwartungen und jagdlicher Praxis bleibe der direkte Austausch zwischen Grundeigentum, Forstwirtschaft und Jägerschaft entscheidend.
In der anschließenden Sitzung der Mitgliedsbetriebe wurden die aktuellen Entwicklungen aus den Revieren besprochen. Der Winter 2025/26 verlief insgesamt ruhig, wenngleich Trockenheit und eine verzögerte Vegetationsentwicklung dazu führten, dass Rotwild in einzelnen Bereichen relativ lange in den Wintergattern blieb.
Auch die Situation hinsichtlich Schäden zeigte sich bislang durchwegs sehr ruhig. Zur Sprache kamen zudem die Entwicklung beim Schwarzwild, regionale Hinweise auf Goldschakal und große Beutegreifer sowie die Entwicklung von Auer- und Birkwild.
Die 29. Abwurfstangenschau der Wildgemeinschaft Hohe Veitsch zeigte nicht nur eine erfreuliche Entwicklung bei der Altersstruktur der Hirsche, sondern auch die bleibende Bedeutung gelebter regionaler Verantwortung.
In Anbetracht zunehmender Anforderungen an Jagd, Forstwirtschaft und Grundeigentum ist die Wildgemeinschaft Hohe Veitsch ein Beispiel dafür, wie langfristige Rotwildbewirtschaftung gelingen kann: durch Zusammenhalt, Praxisnähe, Konsequenz und das Bewusstsein, dass Wald, Wild und Jagd nicht losgelöst voneinander bestehen.
Die Wildgemeinschaft bedankt sich herzlich beim Forstgut Spaeter Yagüe Bosch, bei Gernot Freimann und allen helfenden Händen für die hervorragende Ausrichtung, bei den Mitgliedsbetrieben für ihre konsequente Arbeit sowie bei allen Gästen für den wertvollen Austausch.
Ebenso wurden der Jagdschutzverein Turnau und die Freiwillige Feuerwehr Turnau herzlich begrüßt, herzlichen Dank an Bernd Fladischer für die tatkräftige Unterstützung.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von den örtlichen Jagdhornbläsern, die der Abwurfstangenschau einen feierlichen jagdlichen Rahmen verliehen. Bei bester Verköstigung und in kameradschaftlicher Atmosphäre fand die Zusammenkunft auf der Turnaueralm einen würdigen Ausklang.
Bericht: Martina Zisler


